14. November 2022
Zum Tode von Breido Graf zu Rantzau - ein Nachruf

Als Breido Graf zu Rantzau 1986 den Vorsitz des Holsteiner Verbandes übernahm, hatte er schon eine sehr erfolgreiche Turniersportkarriere als internationaler Springreiter hinter sich. Dem Sport blieb er bei all seinen ehrenamtlichen Tätigkeiten eng verbunden und war dadurch ein wertvoller Berater für Reiter, Turnierveranstalter und Funktionäre. Seine Arbeit für den Holsteiner Verband und damit für die Pferdezucht im Land zwischen den Meeren war ihm eine Herzensangelegenheit. Das Erbe im Verband war keine einfache Aufgabe, galt es doch damals rechtliche Auseinandersetzungen mit unzufriedenen Verbandsmitgliedern zur bewältigen, junge Geschäftsführer einzuarbeiten und einen aufstrebenden Springpferdeverband in eine zu dieser Zeit noch ungewisse Zukunft zu führen. Ungewiss waren vor allem der Ausgang von rechtlichen Auseinandersetzungen. In Amerika hatte man sich den Holsteiner Brand als eigenes Warenzeichen schützen lassen, was den Export von Holsteiner Pferden über den Verband verhinderte. Im sogenannten Moltke-Prozess standen hohe Schadensersatzforderungen im Raum und ein Züchter aus Hasenmoor prozessierte um die Wiedereintragung von Calvados I. In Zusammenarbeit mit einer Elmshorner Kanzlei und deren Beharrlichkeit sowie guter Rechtsberatung gelang es Breido Graf zu Rantzau, größeren Schaden vom Verband abzuwenden.

Diese Probleme und viele andere Aufgaben hat Breido Graf zu Rantzau mit ganz großem persönlichem Einsatz und der ihm eigenen Führungskompetenz zum Wohle des Holsteiner Verbandes durchgeführt. Durch seine Wirtschaftskompetenz entwickelte sich der Verband zu einem blühenden Unternehmen, das beispielhaft für die gesamte europäische Sportpferdezucht wurde. Die Verbandshengsthaltung war und ist ein zentrales Anliegen der Holsteiner Züchter. Nach der Vorarbeit im Hengstbestand des Verbands durch den ehemaligen Geschäftsführer konnten Breido Graf zu Rantzau in Zusammenarbeit mit Norbert Boley die Hengsthaltung zu einer führenden Rolle in der weltweiten Springpferdezucht entwickeln.

Der damalige Verbandsvorsitzende zusammen mit seinem Stellvertreter und den weiteren Vorstandsmitgliedern erkannte schnell, dass der Verband den Anspruch an eine führende Rolle in der Sportpferdezucht nur durch bauliche Weiterentwicklung der Anlage in Elmshorn gerecht werden konnte. So wurde unter der Führung von Breido Graf zu Rantzau zunächst der Hengststall um einen modernen Trakt erweitert, der dem wertvollen Hengstbestand gerecht wurde. Es folgten die Umgestaltungen der Außenanlagen insbesondere auf der Trabrennbahn, durch die Aufgabe des Rennbetriebes der Traber. Das Meisterstück in der Ära von Breido Graf zu Rantzau ist ohne Frage der Bau der Fritz -Thiedemann-Halle auf dem Verbandsgelände in Elmshorn. Auch damals stellte der Vorsitzende sich und seinem Vorstand die Frage nach dem richtigen Standort für dieses Bauvorhaben. Der großen Tradition des Verbandes folgend, entschied sich der Vorstand dafür, den Standort Elmshorn weiterhin zu stärken. Diese Weitsicht des Vorsitzenden hat heute zu einer Veranstaltungs- und Vermarktungsplattform geführt, ohne die der Verband wohl nicht mehr zukunftsfähig wäre.

Die züchterische Arbeit wurde durch Breido Graf zu Rantzau ebenfalls mit großem Engagement unterstützt. So wurde erstmals wieder über die Zulassung von hochbewährten Leistungshengsten diskutiert und sehr dosiert Fremdblut zugelassen. Ebenso spielte der Einsatz von Vollbluthengsten dabei eine Rolle. Der Rat von Breido Graf zu Rantzau in Zucht- und Verbandsangelegenheit war auch überregional sehr geschätzt und so wurde der Vorsitzende aus Holstein schnell in das oberste Gremium der Deutschen Pferdezucht, dem Vorstand Zucht der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) in Warendorf, berufen. Aufgrund seiner Führungsqualitäten und seiner pferdesportlichen sowie züchterischen Kenntnisse wurde auch der Weltzuchtverband (WBFSH) auf den Holsteiner Vorsitzenden aufmerksam. Breido Graf von Rantzau übernahm dort ein Vorstandsamt und wurde zum Stellvertreter des Präsidenten Jan Pedersen, Dänemark, gewählt.

Bei all den vielen Aufgaben fand Breido Graf zu Rantzau große Unterstützung durch seine Familie in Breitenburg. Seine Frau Elke war ihm immer eine gute Ratgeberin und unterstützte sowohl ihn als auch den Verband, besonders durch ihr Engagement bei Veranstaltungen, wie die Körungen und Aktionen in Neumünster oder die Elmshorner Pferdetage, bei denen sie jeweils den Ehrengastbereich mit ihren Helferinnen betreute.

Auch die großen Veranstaltungen des Verbandes prägte Breido Graf zu Rantzau durch seinen Sachverstand und seine Führungskompetenz. So erlebten die Auktionen in Neumünster unter seiner Führung eine Blütezeit und zusammen mit den Körveranstaltungen setzten diese Tage in den Holstenhallen Maßstäbe für die deutschen Verbände und darüber hinaus. Ein Spiegelbild für die Begeisterung der Züchter und aller pferdeinteressierten Besucher waren die Holsteiner Schauabende in Neumünster. Ein besonderer Höhepunkt dieses Abends war stets seine Begrüßungsansprache.

Ab 2005 wurde Breido Graf zu Rantzau Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und gab sein Amt als Vorsitzender des Holsteiner Verbandes an den neuen Vorsitzenden, Jan Lüneburg, ab. Einige Jahre später stellte er sich nochmals für die Vorstandsarbeit des Verbandes zur Verfügung und half in dieser Amtsperiode, die große Strukturreform des Holsteiner Verbandes umzusetzen, bevor er sich dann in Holstein auf sein Mandat als Ehrenvorsitzender des Verbandes zurückzog. 

Breido Graf zu Rantzau hat sich über die Maßen für die Belange des Holsteiner Verbandes eingesetzt. Seine Fähigkeit zur Übernahme von Führungsaufgaben war beispielhaft und hat den Holsteiner Verband, die Deutsche Pferdezucht und den Deutschen Pferdesport stark geprägt. Alle Züchter, Reiter und Funktionsträger der Verbände werden Breido Graf zu Rantzau als eine große Persönlichkeit in Erinnerung behalten und ihm ein ehrendes Gedenken bewahren.

Dr. Thomas Nissen

 

Der Tod des FN-Ehrenpräsidenten Breido Graf zu Rantzau hat für Erschütterung in der Szene gesorgt. Unendlich viele Persönlichkeiten aus Pferdesport und Pferdezucht kannten ihn persönlich, viele waren eng mit ihm befreundet. Hier die Reaktionen einiger langjähriger Wegbegleiter, eingefangen von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und dem Holsteiner Verband: 

„Breido war eine starke Persönlichkeit, sehr ehrlich und immer gerade heraus. Er war ein echter "Horseman" mit einem großen Herz für Pferdesport und Pferdezucht und hat aus der FN den modernen und tatkräftigen Verband gemacht, der er heute ist. Ich bin Breido besonders dankbar für all seine Unterstützung. Ohne ihn wäre ich nicht da, wo ich heute bin. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und seinen Freunden und wir werden ihn als einen großartigen Menschen in Erinnerung behalten."
Ingmar de Vos, Präsident der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI)

„Ich bin sehr betroffen und außerordentlich traurig, dass Breido Graf zu Rantzau, der Ehrenpräsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung und eine der herausragendsten Persönlichkeiten des Pferdesports der letzten Jahrzehnte, von uns gegangen ist. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung verliert einen fachlich hochkompetenten und engagierten Pferdemann, der sich stets für das Lebewesen Pferd, den Pferdesport und die Pferdezucht in großartiger und einzigartiger Weise eingesetzt hat. Ich persönlich verliere einen wahren Freund und erinnere mich dankbar an viele gemeinsam verbrachte Stunden, die unvergesslich bleiben.“
Dr. Harald Hohmann, Vizepräsident Sport der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN)

„Breido Graf zu Rantzau und ich waren seit frühster Jugend freundschaftlich verbunden. In unserer langen gemeinsamen Zeit waren wir in vielen Dingen oft unterschiedlicher Meinung, haben intensiv und kontrovers diskutiert, haben aber dabei stets ein gutes Ende gefunden. Er war immer mein bester Freund und Ratgeber. Am meisten habe ich seine Ehrlichkeit, Gradlinigkeit, Offenheit und vor allem seine Menschlichkeit geschätzt. Sein Wort war oft Gesetz – und zwar zu Recht. Breido hatte einen außergewöhnlichen und besonderen Charakter, den man in der heutigen Zeit nicht mehr so häufig antrifft. Er wird mir und meiner Familie sehr fehlen, nicht nur morgen, sondern überhaupt in der Zukunft.“
Peter G. Rathmann, Carla Rathmann und Philip Rathmann, RathmannVerlag

„Breido hat nicht nur für den Pferdesport, sondern auch für die Pferdezucht 'gebrannt'. Ich habe Breido während meiner aktiven Zeit kennengelernt und durfte ihn begleiten, als er unser Präsident war. Mit ihm verlieren wir einen Mitstreiter für unsere Sache, er war immer da, wenn Not am Mann war. Er hatte das Herz am rechten Fleck. Wir werden ihn sehr vermissen.“
Theodor Leuchten, Vizepräsident Zucht der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN)

„In herzlicher Anteilnahme denke ich in den Tagen des Abschieds an Breido Graf zu Rantzau und seine ganze Familie. Schon seit Jugendjahren waren wir in Freundschaft verbunden durch eine gemeinsame Zeit im Internat und durch pferdesportliche Aktivitäten in Schleswig-Holstein. Es war Breido, der mich dann zum Ende meiner beruflichen Zeit wieder zum Pferdesport brachte. Zunächst in Schleswig-Holstein, zusammen mit Dieter Stut, und dann auch sehr schnell bei der FN in Warendorf. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Auf unseren Autofahrten und auch sonst haben wir viele intensive Gespräche geführt und auch immer gerne viel gelacht. Besonders in seiner ihm eigenen menschlichen Art wird er mir sehr fehlen.“
Dieter Medow, Vorsitzender Pferdesportverband Schleswig-Holstein 

„Wir haben 20 Jahre lang zusammen für das Holsteiner Pferd gearbeitet. Diese Zusammenarbeit war geprägt von großer Verlässlichkeit und offenem Austausch. Wir konnten uns immer die Meinung sagen und haben einander respektiert und akzeptiert. Daraus ist eine echte Freundschaft entstanden. Breido, war einfach ein herrlicher Kerl.“
Hans-Werner Ritters, Stellvertretender Vorsitzender des Holsteiner Verband zu Zeiten von Breido Graf zu Rantzau

Foto: Janne Bugtrup

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