Holsteiner Verband

Kennzeichnung v. Leistungsstuten "Sternchen-Modell"...

Fast 50 Jahre Datensammlung ermöglichen die Auswertung der Holsteiner Stuten hinsichtlich ihrer Eigenleistung und ihrer Vererbungs leistung. Jeder Züchter und auch Käufer weiß, wie wichtig diese Information für die Beurteilung einer Qualitätsstute ist.

Das Sternchenmodell

Schon die Gründer des Holsteiner Verbandes und der planmäßigen Zuchtbuchführung wussten, wie wichtig die Leistung der Stute ist, und Georg Ahsbahs führte Anfang des 19. Jahrhunderts zur Kennzeichnung der Stutenlinien die Stammnummern ein. Noch heute haben diese Stutenstämme eine große Bedeutung in der Holsteiner Zucht. Sie geben aber keine Auskunft mehr über die direkte Vererbungsleistung einer einzelnen Stute oder der direkten Vorfahren dieser Stute. Hier soll jetzt das „Sternchen Modell“ zur Anwendung kommen und den Züchtern bessere Auskunft geben.

Kennzeichnung von Qualitätsstuten


Vor ca. 20 Jahren haben wir mit der Bewertung von Qualitätsmerkmalen bei unseren Stuten im sogenannten „Sternchen Modell“ begonnen. Wir bewerten die Eigenleistung und die Nachkommenleistung jeder bei uns eingetragenen Zuchtstute. Für jedes erfasste Merkmal erhält die betreffende Stute Punkte/Sterne gut geschrieben.

Übersicht 1 gibt Auskunft über die erfassten Merkmale und die Anzahl der zu erreichenden Punkte/Sterne. Dabei wird deutlich, dass jede Stute zunächst über die Eigenleistung beginnt, ihr Punkte-/Sternekonto aufzubauen. Später kommen, durch die Erfolge der Nachkommen, Punkte/Sterne dazu. Der Einstieg in diese Qualitätsbewertung ist also zunächst die Teilnahme an der Stutenprüfung. Die geforderte Mindestnote von 7,5 ist von vielen Stuten zu erreichen und kann dreijährig noch durch die Staatsprämie ergänzt werden. Mit diesen beiden Qualitätskriterien kann eine Stute schon zwei Sterne erreichen und den erfolgreichen Einstieg in die Zucht finden. Wird dem Zuchteinsatz eine Turnierlaufbahn vorgeschaltet, was heute für leistungsorientierte Züchter schon häufiger Praxis ist, sammelt die Stute weitere Qualitätspunkte, die sich nach Höhe der Lebensgewinnsumme bis zu vier Sternen aufaddieren können. Eine Qualitätsstute kann also über die Eigenleistung je maximal sechs Sterne erreichen.

In Übersicht 2 ist erkennbar, wie die Struktur zu den Erfolgen unserer Stuten in der Eigenleistung aussieht. 62 % der seit 1970 eingetragenen 35.070 Zuchtstuten weisen keine oder noch keine eigenen Erfolge auf. Dabei muss bedacht werden, dass sehr junge Stuten in der Regel noch keine Erfolge über den Turniersport erreicht haben.

36 % der eingetragenen Stuten weisen 1 – 3 Sterne auf dem Konto der Eigenleistung vor und nur 2 % unserer Stuten erreichen über den Weg der Eigenleistung mit nachhaltigen Turniererfolgen eine Anzahl von 4 – 6 Sternen. Die Eigenleistung ist ein erster und wichtiger Indikator für das genetische Potenzial einer Stute, allerdings ist uns bewusst, dass nur wenige Züchter die Möglichkeit haben ihre Stuten in den Turniersport zu bringen. Wobei wir im internationalen Zuchtgeschehen zunehmend feststellen, dass in Ländern, wie Frankreich, den Niederlanden und Belgien die Eigenleistung der Mütter eine sehr große Rolle spielt. Die Akzeptanz eines jungen, gekörten Hengstes aus einer im internationalen Springsport erfolgreichen Mutter ist unvergleichlich höher, als die eines Hengstes aus einer nicht im Sport eingesetzten Stute. Hier kommt der Stutenprüfung eine besondere Bedeutung zu. Züchter wissen das zu schätzen. Wichtig ist neben der Eigenleistung die Vererbungsleistung einer Stute.
Dazu gibt Übersicht 3 Auskunft. Hier betrachten wir die im Pool der 35.070 zwischen 1970 und 2015 eingetragenen Stuten isoliert nur nach Leistungen ihrer Nachkommen. Die Leistungsbewertung erfolgt wie in Übersicht 1 unter Ziffer 2 angegeben. 48% der eingetragenen Stuten weisen keine Nachkommenleistung auf, das sind 16.819 Stuten. 62 Prozent der Stuten verfügen über keine Eigenleistung. Bei der Nachkommenleistung ist das Alter der Stuten zu berücksichtigen. Aus einer hier nicht veröffentlichten Statistik zur Altersstruktur der Stuten geht hervor, dass es bei den zehnjährigen und älteren Stuten einen sprunghaften Anstieg bei den erreichten Leistungspunkten gibt. Daraus wird deutlich, dass die ersten Nachkommen einer Stute sechsjährig anfangen, nennenswerte Erfolge, sprich Gewinngelder, im Sport zu erzielen. Diese Stuten, deren Nachkommen anfangen, im Sport Erfolge zu sammeln, gehören dann in Übersicht 3 zu den 38% die zwischen 1 – 5 Sterne (Erfolgspunkte) erreicht haben. Bei zunehmenden Alter der Nachkommen und Erfolgen im schweren Springen erhöht sich das Erfolgskonto und damit die Anzahl der Sterne. Allerdings nimmt die Anzahl der Stuten mit steigender Anzahl an Erfolgspunkten ab. Nur 10 % im Pool der 35.070 Stuten können 6 bis 10 Sterne aufweisen. Stuten mit 11 und mehr Sternen – nur 4 % – gehören dieser exklusiven Qualitätsklasse an. Die absolute Leistungsspitze der Holsteiner Zucht im Pool der Zuchtstuten seit 1970 bilden ganze 125 Stuten (0,5 %). Sie haben im Laufe ihrer Zuchtkarriere 20 und mehr Sterne erreicht und haben den Titel „Elite“ verdient.

In Übersicht 4 sind Eigen- und Nachkommenleistung für die 35.070 Stuten zusammengeführt worden. Jetzt verändert sich das Bild zum Punktekonto nochmals erheblich. So verbleibt am Ende im gesamten Stutenbestand ein Anteil von noch 25% der Stuten, die keine Erfolgspunkte/Sterne aufweisen können. Die größte Gruppe im Gesamtbestand, nämlich 58%, erreichen zwischen 1 - 5 Sternen, die eine Mischung aus Eigen- und Nachkommenleistung widerspiegelt. Weitere 15 % (5.278 Stuten) erreichen 6 - 15 Sterne und sind damit die gehobene Basis der Holsteiner Leistungszucht. Bei über 15 Sternen können wir schon von der Elitestute sprechen, denn nur 457 Spitzenstuten machen diesen knappen Anteil von 2% aus. Ein großer Wermutstropfen trübt diese Darstellung von Holsteiner Qualitätsstuten. Bisher können bei den Turniersporterfolgen nur die FNDaten Verwendung finden. Die im Ausland erfolgreichen Holsteiner sind noch nicht berücksichtigt. An der Nutzbarmachung dieser Erfolgsdaten von Holsteiner Pferden auf FEI-Ebene wird intensiv gearbeitet. Wir rechnen daher mit einer Datenverknüpfung in absehbarer Zeit, wobei wir uns noch über viele Datenlücken und Identitätsprobleme im Klaren sein müssen. Die Leistungsspitze Die 111 Leistungs- und Vererbungsspitzen der Holsteiner Zucht im Pool der 35.070 eingetragenen Zuchtstuten werden mit nur 0,5% am Gesamtbestand ausgewiesen. Diese Eliten haben 20 und mehr Leistungspunkte erreicht und verdienen eine besondere Würdigung. Aus Platzgründen können wir in diesem Artikel in Übersicht 5 nur die zehn erfolgreichsten Zuchtstuten der letzten 50 Jahre darstellen. Stuten wie Gofine v. Ramiro oder Wodka II v. Lord sind Hengstmütter (Contender und Clearway) und haben viele sehr erfolgreiche Nachkommen geliefert, so dass sie schon, ähnlich wie die anderen acht Stuten der Übersicht 5, zu Legenden der Holsteiner Zucht geworden sind.

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