Holsteiner Verband
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Neue Eintragungsmöglichkeiten ins Holsteiner Zuchtbuch

Herr Dr. Nissen gibt Erläuterungen im Interview


Nach den bei der Delegiertenversammlung am 17.12. 2014 beschlossenen Satzungsänderungen hat Zuchtleiter Dr. Thomas Nissen Fragen zu den Neuregelungen bei den Stuteneintragungen und Eintragungen von Fremdbluthengsten beantwortet.


Bevor wir in das Thema „Eintragung Stuten anderer Rassen" einsteigen, würde ich Sie um die Definition „Holsteiner Genetik" bitten.

Die Definition ist ganz einfach: Alle im Holsteiner Verband gekennzeichneten und mit einem Holsteiner Abstammungsnachweis / Pass ausgestatteten Pferde gelten bei uns als Holsteiner Pferde und verfügen damit auch über eine Holsteiner Genetik.



Wie sieht es z. B. mit einer Diamant de Semilly-For Pleasure-Sir Shostakovich xx-Stute aus?


Wenn diese Stute über einen von uns ausgestellten Equidenpass verfügt, sprechen wir auch hier von einer Holsteiner Genetik. Da dieses Pferd vermutlich auch mit einem Holsteiner Brand gekennzeichnet wurde, dokumentieren wir dadurch nach aussen erkennbar, dass es sich um einen ‚echten‘ Holsteiner handelt. Alle durch uns gekennzeichneten Pferde werden in Deutschland (FN) und international (WBFSH und FEI) mit dem Rasseschlüssel ‚Holsteiner‘ geführt.
Eine prozentuale Einteilung reiner Holsteiner Genetik ist nicht zielführend.

 


Es gibt ja seit rund 20 Jahren die „Lex Alexa", wonach erfolgreiche, nicht holsteinisch gebrannte Sportstuten mit einer Lebensgewinnsumme von 50 000 Euro in unser Stutbuch I eingetragen werden können. Ist diese Regelung von Züchtern genutzt worden und hat sie unserer Zucht etwas gebracht?

In den 20 Jahren haben wir ganze 5 solcher Sportstuten bei uns eingetragen. Daraus wird ersichtlich, dass über diesen Weg nur ganz wenige, sehr erfolgreiche Stuten zu uns kommen. Dass wir mit diesen Stuten erfolgreich züchten, belegen die Linien der Stuten Alexa mit ihrer Acord II-Tochter, die mit Carthago internationale Sportpferde geliefert hat, und Free Lilly, die mit Cartani den gekörten und sportlich erfolgreichen Christian der Holsteiner Zucht gebracht hat.
Um über diesen Weg die ein oder andere sportlich hocherfolgreiche Stute für Holstein zu gewinnen, hat die Delegiertenversammlung jetzt beschlossen, die erforderliche Lebensgewinnsumme solcher Stuten auf 20.000 € zu senken.

 


Nun ist man noch einige Schritte weitergegangen. Die Delegierten haben zugestimmt, dass Stuten - wenn sie bei der Exterieurbeurteilung mindestens Bezirksprämienqualität haben - in das Zuchtbuch I eingetragen werden können, wenn sie

- 100% Holsteiner Genetik, allerdings der Vater mit Holsteiner Abstammungsnachweis und/oder weitere männliche Ahnen mit Holsteiner Abstammungsnachweis, die in der aufsteigenden mütterlichen Linie (bis zur 4. Generation) nicht in das Hengstbuch I des Verbandes eingetragen sind, aber bei einem der WBFSH angeschlossenen Verband gekört sind.

 


- 75 Prozent Holsteiner Genetik, d.h. der Vater und der Vater der Mutter verfügen über eine Holsteiner Genetik (Holsteiner Abstammungsnachweis) und sind beim Verband gekörte und im Hengstbuch I eingetragene Hengste


- 50 Prozent Holsteiner Genetik, d. h. der Vater verfügt über eine Holsteiner Genetik (Holsteiner Abstammungsnachweis) und ist beim Verband gekört und im Hengstbuch I eingetragen.




Zusätzlich müssen diese Stuten mit 50% Holsteiner Genetik folgende Voraussetzungen erfüllen:

a) nachgewiesene Eigenleistung im Turniersport mit einer Lebensgewinnsumme von mindestens 2.500 Euro oder
b) Nachkommenleistung: ein gekörter Sohn bei einem WFBSH angeschlossenen Zuchtverband oder Sporterfolge (zwei Nachkommen mit jeweils 2000 Euro LGS) oder
c) mütterliche Halbgeschwister mit mindestens 20 000 Euro Lebensgewinnsumme oder
d) Ahnenleistung: Die Mutter der Stute hat eine Eigenleistung im Turniersport von mindestens 20 000 Euro Lebensgewinnsumme
Zur Förderung der Reinzucht dürfen nur Nachkommen dieser Stuten registriert werden, die von einem in Holstein in das Hengstbuch I eingetragenen Hengst abstammen.


Die auf diesem Weg eingetragenen Stuten können

a) weibliche Nachkommen liefern, die zur Stuteneintragung zulassungsfähig sind;
b) männliche Nachkommen liefern, die zur Körung des Verbandes in Elmshorn auf schriftlichen Antrag an den Vorstand und Beratung im Zuchtausschuss zulassungsfähig sind, wenn mindestens das Ergebnis einer Veranlagungsprüfung vorliegt.

 

Was erhoffen Sie sich bzw. der Vorstand von dieser Maßnahme?

Diese Erweiterung bei der Stuteneintragung ist zeitgemäß, denn die Pferdezucht unterliegt einem enormen Wandel. Vor dem Hintergrund der Veränderungen international und in Deutschland sind wir gut beraten, für einen sinnvollen Rückfluss an Holsteiner Genetik zu sorgen. Außerdem können wir unserer Linienenge und damit der Inzuchtgefahr etwas vorbeugen.
Wir gehen davon aus, dass diese erweiterten Eintragungsmöglichkeiten aufgrund der hier aufgezeigten Leistungsanforderungen an die Stuten nur von einer verhältnismässig geringen Anzahl von Pferdebesitzern genutzt wird.

 


Auch bei der Eintragung von Sporthengsten haben die Delegierten einer Änderung zugestimmt. So können Nachkommen von Sporthengsten einen Abstammungsnachweis beim Verband erhalten, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

Auszüge aus der Satzung:
1.11    Außerdem können Nachkommen von Fremdbluthengsten einen Abstammungsnachweis erhalten, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Der Hengst ist bei einem der WBFSH angeschlossenen Zuchtverband bereits gekört.
  • Der springbetonte Hengst muss Sporterfolge (mindestens 3 Platzierungen an 1. – 5. Stelle in 160 cm Springen) erzielt haben.
  • Der dressurbetonte Hengst muss Sporterfolge (mind. 3 Platzierungen an 1.-5. Stelle in S**** Grand Prix Prüfungen oder an 1.-3. Stelle platziert im Finale der WM der 5- od. 6-jährigen Dressurpferde) erzielt haben oder es werden mind. 8 gekörte Söhne bei WBFSH angeschlossenen Verbänden nachgewiesen.

  • Vor der Bedeckung der Stute hat der Züchter einen schriftlichen Antrag an den Verband gestellt.
  • Der Vorstand hat nach Beratung im Zuchtausschuss dem Antrag zugestimmt.


Die Nachkommen dieser Hengste werden denen der Zuchtversuchshengste (§31 Ziff. 1.8) gleichgestellt.




Die Messlatte für die Hengste liegt ja hoch. Mit wie vielen solcher Anträge rechnen Sie?


Diese Möglichkeit wurde für Züchter geschaffen, die sich von einer einzelnen Anpaarung mit einem solchen Leistungshengst etwas versprechen, der Hengst aber noch nicht zu den 50 besten der WBFSH-Liste gehört. Bisher mussten wir diese Züchter auf die Registrierung bei anderen Verbänden verweisen. Aber gerade diese Anpaarungen könnten uns interessante Leistungspferde liefern. Da es sich hierbei nicht um eine Stationierungsmöglichkeit für Hengsthalter handelt, sondern der gezielten züchterischen Überlegung Rechnung getragen wird, gehen wir von einer geringen Anzahl solcher Nachkommen aus.


Von einigen Züchtern wird die Zulassung der Einzeldeckgenehmigung gefordert. Wie denken Sie bzw. Ihr Vorstand darüber?

Die generelle Einzeldeckgenehmigung ist nicht mit der Philosophie und der Satzung des Holsteiner Verbandes in Einklang zu bringen.
Die hier aufgezeigten Wege hinsichtlich der Stuteneintragung und der erweiterten Möglichkeit zur Nutzung von Leistungshengsten bieten unseren Züchtern schon viele Möglichkeiten, interessante Gene zu nutzen. In Verbindung mit den über 80 bereits anerkannten Zuchtversuchshengsten für Holstein dürfte allen Züchtern eine breite Basis zur Verfügung stehen.

 

Neue Satzung

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