Holsteiner Verband

Holsteiner – ein Zuchtkonzept setzt sich durch


Das Zuchtziel:

Der typische Holsteiner ist ein athletisches, großliniges und ausdrucksvolles Reitpferd mit idealen Anlagen für den Springsport, aber auch für die Dressur und die Vielseitigkeit. Sein kraftvolles Springen zeigt Vermögen und Qualität.

Ein Holsteiner ist unkompliziert, einsatzfreudig, nervenstark und zuverlässig. Dabei ist sein ausgeglichenes Temperament und sein hervorragender Charakter von großer Bedeutung.



Selektion:
Nur durch eine gezielte Selektion kann ein Zuchtfortschritt erreicht werden.

Es gibt folgende Selektionskriterien:

  • Die Abstammung
  • Die Bewertung der Merkmale der äußeren Erscheinung (Typ, Oberlinie, Vorderhand, Hinterhand)
  • Der Bewegungsablauf (Schritt, Trab, Galopp)
  • Springen (Freispringen oder Springen unter dem Reiter, Beurteilung von Manier und Vermögen)
  • Innere Eigenschaften (Leistungsveranlagung, Charakter, Temperament und Gesundheit)
  • Ergebnisse von Leistungsprüfungen und Zuchtwertschätzungen

 

 


 

 


Zucht: LANDGRAF I und Co

Mit dem Einzug der schweren Maschinen in die Landwirtschaft hatte das Holsteiner Pferd Ende der fünfziger Jahre seine Existenzberechtigung als „Arbeitskraft“ auf dem Feld verloren. Um den bislang kalibrigen Typ zu veredeln und aus ihm ein modernes Sportpferd zu machen, setzte die Zuchtleitung vor 40 Jahren auf den Einsatz von Vollbluthengsten.

Allein in den sechziger Jahren kamen mehr als 25 „Blüter“ im Land zwischen den Meeren zum Einsatz. Darunter ein Hengst, der der damaligen und heutigen Holsteiner Zucht seinen besonderen Stempel aufdrücken sollte: Ladykiller xx, der 1961 in England geboren wurde. Er lieferte 35 Staatsprämienstuten und ebenso viele gekörte Hengste, darunter auch Landgraf I, dem bereits zu Lebzeiten vor den Elmshorner Stallungen ein Denkmal gesetzt wurde. Seine Nachkommen gewannen im Sport bislang mehr als 7 Millionen Mark, seine zahlreichen Söhne und Töchter sorgen weltweit dafür, dass dieses wertvolle Blut weitergegeben wird. Lord, der zweite herausragende Sohn des Ladykillers, ist ebenfalls Begründer einer eigenen Hengstlinie und auch Vater des unvergessenen Livius.

 

COR DE LA BRYÈRE

Im gleichen Atemzug wie Landgraf I muss der 1999 im hohen Alter von 31 Jahren eingegangene Cor de la Bryère genannt werden. Neben Ladykiller xx hat „Corde“, wie er liebevoll von den Züchtern genannt wurde, die moderne Sportpferdezucht im Land zwischen den Meeren am stärksten geprägt. 

 

CAPITOL

Ein weiterer Hengst, der Holsteiner Zuchtgeschichte geschrieben hat, ist Capitol I. Capitol I ist Vater zahlreicher weltbekannter Springpferde, darunter auch der Weltcup-Sieger von 2001, Dobel’s Cento und Carthago Z, die beide an den Olympischen Spielen in Sydney teilnahmen. Mit diesen beiden gekörten Hengsten gelang Capitol beim CHIO Aachen im Jahre 2000 darüber hinaus ein Erfolg, den bis dato kein Vererber aufzuweisen hat: 1. Platz Cento und 2. Platz Carthago im Großen Preis von Aachen. Auch die Nachkommen dieser sind sehr erfolgreich. Inzwischen ist es Caretino, selbst im Sport international erfolgreich, und Contender gelungen, die Nachfolge der drei Heroen mit erfolgreichen Nachkommen im Sport und in der Zucht anzutreten.

 

Der Holsteiner als Springpferd 

Die Holsteiner Pferde zeichnen sich vornehmlich durch großes Springvermögen und Leistungsbereitschaft aus. Nach dem ersten Weltkrieg verschwanden die Kavallerieregimenter, wurden die Marställe aufgelöst. Dank der rasanten Entwicklung der ländlichen Reiterei nahm die Sportlichkeit der Pferde zu. In diese Zeit fällt auch die Entdeckung des Holsteiners als Springpferd.

Mit ihrer gewaltigen Muskelkraft, ihrer unerschütterlichen Treue und ihrem nie erlahmenden Eifer sprangen sich die ehemaligen Karossiers in die Spitzengruppe des deutschen Springsports. Erwähnt seien hier nur Egly, 1935 Sieger im renommierten Hamburger Spring-Derby, Nordland, unter Marten von Barnekow Mannschaftsolympiasiegerin von 1936 und Siegerin im Hamburger Spring-Derby von 1938, sowie die Olympiasiegerin im Einzelspringen von Berlin, Tora v. Capenor.

Nach dem totalen Zusammenbruch von 1945 gab es buchstäblich nichts mehr – nur Pferde gab es reichlich. Turniere schossen wie Pilze aus dem Boden, und zugleich setzten wieder die Erfolge der Holsteiner ein. Das erste Hamburger Spring-Derby nach dem Krieg, das im Jahr 1949 ausgetragen wurde, gewann die Elmshornerin Käthe Schmidt-Metzger auf dem Holsteiner Fenek v. Fasan. Ein Jahr später holte sich Fritz Thiedemann mit Loretto v. Lombard den begehrten Eichenkranz.

 

METEOR UND FRITZ THIEDEMANN

Der unvergessene Fritz Thiedemann war es auch, der mit seinen Pferden auf den Turnierplätzen weltweit Ehre und Ruhm für die Holsteiner Zucht errang. Kein Pferd wurde in Deutschland jemals so geliebt wie sein Meteor v. Diskus. Über ein Jahrzehnt repräsentierte der mächtige Braune, dem vor dem Kieler Wirtschaftsministerium noch zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt wurde, im Springsport den Begriff „Holsteiner“. Er und sein Reiter, die zwei Mal olympisches Mannschaftsgold gewannen, vertraten die Scholle, von der beide stammten, in seltener Vollkommenheit.

Mit Romanus v. Ramzes und Fortun v. Frivol xx feierte HGW viele Erfolge, mit Torphy v. Reinald xx jedoch gewann er Mannschaftsgold bei den Olympischen Spielen 1972 in München.

 

CLASSIC TOUCH, LIANOS UND CALVARO

Unvergessen bleibt auch Classic Touch v. Caletto II, die 1992 unter Ludger Beerbaum Gold bei den Olympischen Spielen in Barcelona gewann. Bei den Weltreiterspielen 1998 in Rom war es Lianos v. Landlord, der dem Brasilianer Rodrigo Pessoa zu Weltmeisterehren verhalf, und der vom Schweizer Willi Melliger gerittene Calvaro, der „Weiße Riese“, avancierte bei der gleichen Veranstaltung im Finale der Springreiter zum besten Pferd.

Im olympischen Jahr sorgte der von Otto Becker gerittene Dobel’s Cento im Parcours für Furore. Zunächst gewann das Paar die wohl immer noch renommierteste Springprüfung der Welt, den Großen Preis von Aachen. Bei den Olympischen Spielen von 16 Holsteiner im Springen an den Start – trugen die beiden fehlerlosen Runden des Capitol-I-Sohnes entscheidend dazu bei, dass die deutsche Mannschaft olympisches Gold gewann.

 

FEIN CERA, CÖSTER UND CUMANO

Auch bei den Weltreiterspielen 2002 im spanischen Jerez war eine Holsteiner Stute in aller Munde: Fein Cera v. Landadel machte unter dem Amerikaner Peter Wylde und später dann im Finale mit Pferdewechsel in insgesamt neun Runden nur einen Springfehler. Bei den Europameisterschaften 2003 in Donaueschingen wurde Cöster zum gekrönten König: Unter Christian Ahlmann siegte er in der Einzelwertung und trug zudem maßgeblich zum Mannschaft bei, zu der auch Otto Becker und Dobel’s Cento zählte. Cöster und Dobel’s Cento gehörten bei den Olympischen Spielen von Athen ebenfalls zu der Mannschaft, die die Goldmedaille gewann.

Bei den Weltreiterspielen in Aachen waren die Holsteiner im Parcours das „Maß aller Dinge“. Der Cassini-I-Sohn Cumano wurde unter dem Belgier Jos Lansink nach einem packenden Finale mit Pferdewechsel Weltmeister, und zur siegreichen holländischen Mannschaft im Nationenpreis gehörten mit Verelst Curtis v. Coriano und Eurocommerce Berlin v. Cassini I zwei im Land zwischen den Meeren gezogene Pferde.

 

CARLSSON VOM DACH, IN STYLE UND CORRADINA

Mit einer schnellen Null-Runde sicherte sich Will-Simpson mit Carlsson vom Dach v. Cassini I – Grundyman xx (Helmut Horstmann, Tarp) die Mannschafts-Goldmedaille für Amerika bei den Olympischen Spielen in Hongkong. In Style v. Accord II – Lord (Hans Paulsen, Arlewatt) mit Ian Miller gewannen das Kanadische Mannschafts-Silber. Corradina wurde dritte im Großen Preis von Aachen unter Carsten-Otto Nagel, gewann die Mannschafts-Bronzemedaille und die Silbermedaille in der Einzelwertung bei der EM in Windsor.

 

Holsteiner im Dressursport

Elastizität bei hohen und schwungvollen Gängen markieren das Bewegungspotenzial des Holsteiners. Früher wurde diese „Knieaktion“ von den außenstehenden Experten häufi g belächelt. Dennoch waren bzw. sind diese Pferde bei den Sportreitern sehr beliebt. Insbesondere die Dressurreiter schätzen diese Eigenschaften für die Ausdruckskraft der Piaffe und Passage.

So gab und gibt es immer wieder Dressurpferde, die von sich reden machen: Der unvergessene, viel zu früh verstorbene Dr. Reiner Klimke feierte seine ersten wichtigen Erfolge im Dressursattel auf dem Holsteiner Aar v. Heissa, mit dem er 1960 das Deutsche Dressur- Derby gewann. Sieben Jahre zuvor hatte der Braune unter Fritz Thiedemann im Springparcours den Großen Preis von Aachen für sich entscheiden können – ein eindrucksvolles Beispiel der Vielseitigkeit des Holsteiners.

Auch Dr. Josef Neckermann setzte erfolgreich auf Pferde aus dem Land zwischen den Meeren. Mit Antoinette v. Anblick xx gewann er 1964 in Tokio olympisches Mannschaftsgold, acht Jahre später – bei den Olympischen Spielen von München – verhalf ihm ebenfalls eine Anblick-xx-Tochter – Venetia – zu höchsten olympischen Meriten. In den 70er Jahren war es Granat v. Consul, der unter der Schweizerin Christine Stückelberger in zahlreichen Championaten nicht zu schlagen war. U. a. gewann das Paar olympisches Einzelgold bei den Spielen von Montreal 1976.

 

CORLANDUS UND CHACOMO

Dieser ganz große Triumph sollte dem von Margit Otto-Crépin für Frankreich gerittenen Corlandus v. Cor de la Bryère versagt bleiben. Dennoch zählt der imposante Braune mit seinem gewaltigen Bewegungspotenzial zu den Pferden, die auch heute noch als Beispiel für das ideale Dressurpferd genannt werden. Der von Uwe Sauer gerittene Montevideo gehörte 1984 der deutschen Dressurmannschaft an, die Gold bei den Olympischen Spielen in Los Angeles gewann. Mit dem von Alexandra Simons-de Ridder Holsteiner Zucht im Jahr der Olympischen Spiele von Sydney wieder ein ganz heißes Eisen im Feuer, als es um olympisches Edelmetall im Dressurviereck ging. Der Calypso-I-Sohn, der leider ein Jahr später wegen einer unheilbaren Krankheit eingeschläfert werden musste, und seine Reiterin kamen mit Mannschaftsgold nach Hause. Diese Medaille tröstete dann auch ein klein wenig darüber hinweg, dass das Paar im Kür-Finale nicht mehr an den Start gehen durfte, da nur noch drei Reiter pro Nation zugelassen Mannschaftsführung für den Start von Ulla Salzgeber und Rusty entschied.

 

Holsteiner im Vielseitigkeitssport

Auch in der dritten olympischen Disziplin, der Vielseitigkeit, stehen Holsteiner immer wieder im Rampenlicht. Das ist vor allen Dingen zwei Reitern zu verdanken. Zum einen dem seit über 30 Jahren  aus Elmshorn nicht mehr wegzudenkende Herbert Blöcker, der seine unzähligen Erfolge vor allem dem Holsteiner Pferd zu verdanken hat. Nachdem er bereits 1976 mit Albrant der deutschen Mannschaft mit einem bravourösen Ritt ohne Bügel durch das olympische Gelände von Montreal die Silbermedaille gesichert hatte, wird Herbert Blöckers furioser Auftritt im Gelände bei den Olympischen Spielen von Barcelona 1992 für all diejenigen, die dabei waren, unvergessen bleiben. Damals sicherte er sich mit Feine Dame Silber in der Einzelwertung und verhalf damit der deutschen Mannschaft zu einer kaum erwarteten Bronzemedaille.

Zum anderen Hinrich Romeike mit seinem Marius, aus der Zucht des ehemaligen zweiten Vorsitzenden des Holsteiner Verbandes, Hans-Werner Ritters, stammende Wallach v. Condrieu xx - Laurin, der unter seinem Reiter Einzel- und Mannschaftsgold bei den Olympischen Weltreiterspielen 2008 in Hongkong gewann.

 

Holsteiner im Fahrsport

In den fünfziger und sechziger Jahren bestimmten zwei Fahrer aus Schleswig- Holstein weitgehend das sportliche Geschehen im In- und Ausland: Richard Eggers und Franz Lage. Während letzterer auch den einen oder anderen Trakehner anspannte, fuhr Richard Eggers, der unvergessene, langjährige erste Vorsitzende des Holsteiner Verbandes, nur Holsteiner. Drei Mal gewann der Dithmarscher das Deutsche Fahr-Derby, legendär ist sein Auftritt mit einem Holsteiner Zehnerzug beim Festival des Pferdesports, dem CHIO in Aachen. Auch heute noch haben zahlreiche Topfahrer, wie z. B. der ehemalige Weltmeister Michael Freund oder die amerikanischen Vierspännerfahrer, immer wieder Holsteiner in ihren Gespannen.

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